04/03/2026 0 Kommentare
There is a crack in everything - that‘s how the light gets in - Es ist ein Riss in allem, so kommt das Licht herein
There is a crack in everything - that‘s how the light gets in - Es ist ein Riss in allem, so kommt das Licht herein
# Geistlicher Impuls

There is a crack in everything - that‘s how the light gets in - Es ist ein Riss in allem, so kommt das Licht herein
„There is a crack in everything - that‘s how the light gets in“, so heißt es in einem wunderbaren Lied von Leonard Cohen: „Es ist ein Riss in allem, so kommt das Licht herein“.
Die Verklärung Christi auf dem Berg Tabor, heißt eine Episode aus dem Matthäus-Evangelium (Mt 17, 1-9), die am zweiten Fastensonntag (01. März) im Mittelpunkt stand.
Auch in dieser biblischen Erzählung geht es um Licht, das hineinkommt: „Es ist ein Knacks in allem, so kommt das Licht herein“. Ich wette, dass jeder von Ihnen in der einen oder anderen Weise Erfahrungen gemacht hat, die ihm von diesem Riss / diesem Spalt etwas erzählen - und von dem Licht, das da durchstrahlt.
Erfahrungen, wo für einen Moment etwas aufleuchtet, und wir ahnen … – ja, das ist eigentlich nicht in Worte zu fassen …
Vielleicht ist es eher so ein „Fühlwissen“ in diesen Augenblicken wie: „Es gibt mehr; letzten Endes wird alles gut; ich bin gehalten von großen Händen; …“ – man fühlt sich in solchen Situationen fast eins mit der Welt / verbunden mit allem, was ist. Da leuchtet etwas auf, da wird einem was klar, es klärt sich, ja ver-klärt sich etwas.
Es gibt solche Risse, solche Durchbruchstellen in den Dingen, durch die eine Wirklichkeit strahlt, die größer und tiefer und weiter ist als das, was wir gewöhnlich sehen, begreifen und fühlen. Solche Momente können wir nicht machen, nicht herstellen. Genauso wenig können wir sie festhalten, können keine Hütten dafür bauen. Sobald sich unsere Hände schließen um das, was uns da geschenkt wurde, rutscht es uns auch schon wieder weg. Aber selbst wenn dieser Moment vergeht – das was man erfahren hat, was einem klargeworden ist, das lässt sich nicht mehr nehmen. Es bleibt als Hoffnung, als Sehnsucht und als Versprechen.
Die Erzählung von der Verklärung Jesu kann man natürlich nicht historisch festmachen. Es ist vielmehr das Ins-Wort-Bringen einer Erfahrung, die Menschen, die es mit Jesus zu tun bekamen, immer wieder machen konnten: In ihm bricht das Göttliche durch – wie er auf andere zugeht, Kranke heilt, Verkrümmte aufrichtet, sich an einen Tisch setzt mit Armen und Reichen, Frommen und Sündern …
Dieser Jesus selbst ist so etwas wie die Durchbruchsstelle Gottes in dieser Welt. Wer so lebt wie Jesus – der muss mehr sein als ein Mensch, weil so menschlich kein Mensch lebt! Es ist ja gerade die Menschlichkeit an Jesus, an der sich seine Göttlichkeit festmacht. Die zeigt sich nicht daran, dass er ein Superman ist oder so, sondern in seinem Leben und sogar noch in seinem Sterben wird klar, klärt sich, wer Gott ist, wer wir sind und werden können und wie ein Mensch lebt, der sich voll und ganz aus diesem Gott schöpft.
„Dies ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören“ – von ihm könnt ihr euch ablauschen, wenn ihr zu ihm hin-hört, von ihm lernt, was im tiefsten Sinne Leben heißt. „Du bist mein geliebter Sohn, du bist meine ganze Freude“ – das ist es, was Jesus in seinem Innersten „hört“ - von den Evangelienschreibern ins Wort gebracht bei seiner Taufe u. hier bei seiner Verklärung.
Und das nicht zufällig – denn dieses Wort über seinem Leben lässt ihn erst aufbrechen mit seiner Frohen Botschaft, und dieses Wort gibt ihm die Kraft, seinen Weg zu gehen bis ans Ende: vom Tabor wieder hinunter, bis hinauf zur „Schädelhöhe“ (Golgota).
Deswegen wird die Geschichte der Verklärung Jesu nicht umsonst jedes Jahr am Beginn der Fastenzeit vorgetragen: Denn gerade auch in seiner Angst, in seinem Leiden und letztlich auch in seinem Tod darf Jesus sich getragen wissen von dem, für den er schon immer der geliebte Sohn war, ist und sein wird.
Und wir dürfen das auch: Wir dürfen dem Spalt in allen Dingen trauen, den Durchbuchstellen, durch die das göttliche Licht in unser Leben scheint – und die uns wissen lassen, dass mein Leben im Letzten gelingen wird, mag es im Vorletzten auch noch so fragwürdig sein oder schwer.
Autor: Daniel Zamilski, kath. Pfarrer St. Ingbert (Saarland)
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